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Glockenklang

So klingt die Glocke der Weissenwasserkirche. [331 KB]

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Chronik

Die Anfänge der alten Taufkirche am Weißenwasser liegen wie so viele Dinge im Gebiet des sagenumwobenen Kahlbergs im dunkeln.
Unter der Herrschaft Kaiser Karls des Großen begann eine Christiani-sierungswelle, die besonders in den von ihm unterworfenen sächsischen Ländern intensiv betrieben wurde.
Die Missionierung des Leinetales und auch des Gebietes um den Kahlberg erfolgte vermutlich durch das Kloster Corvey, das zu dieser Zeit eine vorherrschende Rolle einnahm. Wahrscheinlich entstand in diesem Zusammenhang die erste Taufkirche am Weißenwasser, denn Kirchen wurden oft an den Orten errichtet, an denen sich vorher heidnische Heiligtümer befunden hatten. Die Vermu-tung liegt nahe, daß an dieser Stelle des Kahlbergs eine herausragende heidnische Kultstätte bestand (siehe "Wöllersteine", "Twargenmolle" usw.).
Der erste urkundliche Nachweis einer Kapelle des Dorfes Whiten-watere stammt aus dem Jahre 1055 und belegt, daß sie zum Archidia-konat Nörten gehörte. Dieser hölzerne Vorgängerbau der heutigen Weißenwasserkirche stand auf einem Bruchsteinsockel und war vermutlich nur ein recht-eckiges Gebäude ohne Turm und Chor. Seine Ost-West-Achse verlief genau durch die Mitte von Taufbecken, Chorstufen und vermutlich auch Altar. Von diesem Bau fand man bei Grabungen eine Brandschicht, den Felssteinsockel, auf dem die aus Holz gebaute Kapelle gestanden hat, sowie ein altes Bachbett. Lange Zeit muß ein Arm des Weißenwasser-baches durch die Kapelle geleitet worden sein, den die Quelle mit ihrem weißen, kalkhaltigen Wasser speiste, da bei Bodenuntersuchungen entsprechende Ablagerungen festgestellt wurden.
Der Bach durchfloß im Kircheninneren ein Wasserbecken, in welchem die Taufen erfolgten. Hier wurden die Täuflinge vollkommen untergetaucht und stiegen nach der Taufe zum Altarraum empor. Nachdem diese Kapelle abgebrannt war, errichtete man an gleicher Stelle einen in seinen Grundrissen erheblich größeren Neubau und fügte einen Chor hinzu. Am 4. Juli 1145 wurde die Kirche zu Ehren des Apostels Jakobus des Älteren geweiht, dessen Gedenktag der 25. Juli ist.
Die besondere Bedeutung der Kirche ist daran zu erkennen, daß Erzbischof Heinrich der Erste extra aus Mainz zur Einweihung anreiste. Damit wollte er zugleich seinen Machtanspruch deutlich machen, da in unmittelbarer Nachbarschaft - quer durch die Gemeinde Sebexen - die Grenze zum Herrschaftsbereich der Hildesheimer Bischöfe verlief. Gleichzeitig mit der Weißenwasserkirche weihte er deshalb auch die Kapelle in Sebexen und erklärte sie für selbständig. Erzbischöfe verfügten zu dieser Zeit neben dem Kaiser über heraus-ragende Machtpositionen. Dieser Erzbischof fiel jedoch kurze Zeit spä-ter bei Kaiser Barbarossa in Ungnade und begab sich deshalb in den Herrschaftsbereich von Herzog Heinrich dem Löwen, einem Gegner des Kaisers. Am 3.11.1153 verstarb der Erzbischof. Sein Grab wurde erst vor einiger Zeit bei Grabungen in der Einbecker Stiftskirche wieder auf-gefunden. In den folgenden Jahren findet man über das neben der Kirche entstandene kleine Dorf Weißenwasser mehrfach Hinweise in verschie-denen Urkunden. Während der Hildesheimer Stiftsfehde von 1518 bis 1523 fanden verheerende Zerstörungen in unserem Gebiet statt. Dabei könnte auch das Dorf Weißenwasser vernichtet worden sein. Erhalten blieben nur Pfarrhaus, Opperei, Kirche und Mühle. Damit war das Dorf offensichtlich untergegangen, und seine Bewoh-ner hatten sich - bis auf den Mühlenbesitzer - anderweitig angesiedelt.
Die Weißenwasserkirche selbst erfuhr in den Folgejahren mehrfache bauliche Veränderungen. Aus den noch vorhandenen Kirchenrechnungs-büchern geht hervor, daß im Jahre 1587 das große Fenster auf der Südseite eingebaut wurde. Als Begründung ist dazu angegeben, "daß die Gemeinde, die die Bibel liest und aus dem Gesangbuch singt, Licht braucht".
Der Turm wurde im Jahre 1598 ausgebaut. Allerdings ersetzte man ihn in den Jahren von 1609 bis 1612 bereits wieder durch den heute noch vorhandenen. Im Jahre 1612 baute man wahrscheinlich das Renaissance-Portal mit lateinischer Inschrift um die Eingangstür. Den Text hat Pastor Heinrich Albrecht (Pastor von Kalefeld und Sebexen von 1874 - 1900) in fol-gende deutsche Verse übertragen: Dieser Plafond hebt sich neu, aus festem Gesteine an dem fliessenden Quell Weissen Wassers erbaut, als Ernestus hier predigt` die heilsame Lehre des Glaubens, welcher Johannes zugleich wird mit Namen genannt.
Gib, allmächtiger Vater, solange dastehet der Weltbau, dass dein Wort so wie jetzt stets erschalle mit Macht! Im Jahre 1627 - während des dreißigjährigen Krieges - brannten Pfarr-haus, Meierhaus und Opperei ab. Das Pfarrhaus baute man nicht wieder auf, so daß seit dieser Zeit Kalefeld Sitz des Pfarramtes ist. Neben der Weißenwasserkirche blieb nur noch die Ölmühle erhalten. In den fol-genden Jahren wurde die Kirche nur noch genutzt, wenn die Kalefelder Kirche nicht verfügbar war. Hier fanden insbesondere Taufen und Be-erdigungen statt. In der Zeit von 1641 bis 1691 war Gerhard Schaper (Schaeffer) Pastor von Kalefeld-Weißenwasser mit Dögerode und Sebexen. Pastor Schaper kam aus Braunschweig und mußte in seiner langen und schwierigen Dienstzeit während und nach dem Dreißigjährigen Krieg die Kirche teilweise wiederaufbauen.
Als besonderes Zeichen der Wertschätzung bestattete ihn die Kirchengemeinde nach seinem Tode gemeinsam mit seiner Frau vor den Stufen in der Weißenwasserkirche. Bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1955 wurden die Sandsteingrab-male aufgefunden und zu beiden Seiten des Altarraumes aufgestellt. Aus dem "Dornröschenschlaf" der folgenden Jahrhunderte erweckte die Kirche erst wieder zu Beginn der fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts der Pastor Siegfried Preuß. Sein geschichtliches Interesse führte zu Re-novierungs- und Erhaltungsarbeiten, bei denen auch Grabungen im Kir-cheninneren ausgeführt wurden. Hierbei konnten viele der aufgeführten Dinge durch Funde belegt werden. Unter anderem wurde auch die Stelle, an der sich früher das Tauf-becken befand, durch einen entsprechenden Steinkranz gekennzeichnet.
An diesem Platz steht heute der romanische Taufstein, der als einziges Einrichtungsstück aus vergangenen Zeiten erhalten geblieben ist. Zwei ursprünglich noch vorhandene Altarengel wurden vor einigen Jahren gestohlen. In der Nordwand kann man einen zugemauerten Eingang erkennen, durch den früher die "Heiden" vor ihrer Taufe die Kirche aus "Mitter-nacht" betreten mußten. Die im Stil der Zeit ohne Schmuck ausgestattete Kirche wird durch ei-nen "Gurtbogen" aus behauenen Steinen vom Altarraum getrennt. Dieser Raum wird im Gegensatz zu dem flachgedeckten Kirchenschiff von ei-nem Kreuzgratgewölbe überdeckt.
Mit Ausnahme des Turmes, der später angebaut wurde, ist die gesamte Kirche aus Feld- und Bruchsteinen aufgebaut. Ursprünglich war sie mit Sandstein-, später mit Schieferplatten eingedeckt.
Heute ist nur noch das Dach des aus behauenen Quadern errichteten Turmes mit Schieferplatten belegt. Heute wird die Weißenwasserkirche - außer für Trauerfeiern - nur noch an besonderen Feiertagen genutzt. So kommen traditionsgemäß zum Gottesdienst am Johannistag, dem 24. Juni, auch viele Besucher aus den umliegenden Ortschaften, die ansonsten weder gemeindliche noch kirchliche Verbindungen zu Kalefeld haben.
Für den Besucher erschließt sich der Reiz dieser uralten Taufkirche bereits nach kurzer Zeit durch die Ruhe, die Schlichtheit der Formen und das Umfeld mit Friedhof und Kahlberg.