Kirchengemeinden im Alten Amt

Geschichte der Kapelle Dögerode

Glocken- und Orgelklang:
Hören Sie hier die Glocke der Kapelle Dögerode.
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Orgel Kapelle Dögerode Stück 1.
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Chronik:
900-1000 Der Ort Dögerode wird vom Reichsgut in Kalefeld aus gegründet
???? Eine Kapelle wird gebaut auf dem alten Kapellenbrink. Sie ist St. Georg, dem Drachentöter, geweiht.
1627 oder 1630 Die Kapelle wird zerstört, 1627 während der Belagerung von Northeim wird durch herumziehende Plünderer das Pfarrhaus Weißenwasser zerstört. Die Trümmer der Kapelle waren noch 1729 zu sehen, ebenso die kleine Glocke in einem verdeckten Glockenturm daneben. Die Gemeinde war vom Pfarrer in Weißenwasser, bezw. später von Calefeld aus versorgt worden.
Bis 1892 Die Dögeröder kamen zur Kirche nach Calefeld oder Weißenwasser
1872 In Calefeld wird die neue Liebfrauenkirche eingeweiht. Sie hat auch neue Glocken bekommen.
1873-1879 Zwischen der Kirchengemeinde und dem Königlichen Konsistorium zu Hannover und auch innerhalb der Gemeinde zwischen den Calefelder und den Dögeröder Gemeindegliedern erhebt sich ein Streit um die Bezahlung und den Gebrauch der neuen Calefelder Glocken. Ohne die Dögeröder zu fragen, beschließt der Calefelder Kirchenvorstand, dass die Gemeinde bei dem Vermögen der Weißenwasserkirche ein verzinsliches und zu tilgendes Darlehen zur Bezahlung der Glocken aufnimmt. Daraufhin beanspruchen die Dögeröder, da sie mit gleichem Vermögensanteil zur WW-Kirche gehören, auch gleiche Rechte an den Calefelder Glocken. Dies widerspricht aber der alten Läutordnung von 1729 und 1787, nach welcher bisher bei Trauungen, beim Ausläuten der Toten und beim Begräbnis für Gemeindeglieder aus Calefeld immer mit beiden Glocken aber für Dögeröder nur mit einer geläutet wurde. Die Calefelder geben nicht nach und der Ärger wächst. Erst am 12.Dezember 1878 einigen sich alle darauf, dass beim Ausläuten und bei Begräbnissen für Calefelder mit den beiden großen, für Dögeröder mit den beiden kleineren geläutet wird, bei Trauungen aus Calefeld mit allen dreien, für Dögeröder mit den beiden großen Glocken. Nachdem später die Kapelle in Dögerode gebaut war, verlor sich der Brauch, auch für Dögeröder Ereignisse in Kalefeld zu läuten. Die Rückzahlung des Darlehens wurde der Gemeinde übrigens 1879 erlassen. Dieser ganze Ärger hat sicher mit dazu beigetragen, dass nun ernsthaft an den Bau einer eigenen Kapelle gedacht wird. Die Bereitschaft des Konsistoriums, dem Bau zuzustimmen, wird sicher durch die Tatsache gefördert, dass es zu dieser Zeit in Dögerode eine wachsende Baptistengemeinde gab. 1890 waren von den 183 Einwohnern 10 Baptisten.
1889 Das Glockenhaus auf dem Gemeindeplatz wird abgerissen man beginnt den Bau einer Kapelle an anderer Stelle. Sie wird aus heimischem Dolomitgestein errichtet. Die gesamten Quader zum Bau der Kapelle sind im Kapellenbruch in der Dehne gebrochen worden. 3 Mann haben das gemacht. Die Steine wurden auf dem Pferdewagen nach Dögerode gebracht und dort behauen. Die Rundsteine des Altars sind hauptsächlich vom Maurer Wilhelm Krull bearbeitet worden.
02.10.1880 Ist Richtfest unter Mitwirkung des Gesangvereins und am
22.05.1892 wird die Kapelle eingeweiht und so wie die Vorgängerin St. Georgs-Kapelle genannt. Zur Einweihung versammelte sich die ganze Gemeinde an der Schule, dann ging der Zug zur Kapelle. Voran der Lehrer mit den Kindern, dann die Geistlichen und die Kirchenvorsteher, danach die Männer, dann die Frauen. Die ganze Zeit wurden die Glocken geläutet und die Gemeinde sang "Nun jauchz dem Herren alle Welt". Nach dem Gottesdienst wurden zwei Kinder getauft (eine Bieltochter und ein Grundmannsohn) und es war die Hochzeit von Wilhelm Hillebrecht und Wilhelmine Hundertmark, Großeltern von Richard und Walter Grundmann.
Schon 1891 hatte man zwei Glocken in Hildesheim gekauft. Die kleinere mußte aber im 1. Weltkrieg abgegeben werden.
1902 Wurde in Göttingen ein Harmonium gekauft, das jedes Jahr am Himmelfahrtstag zum Gottesdienst zur Weißenwasserkirche gebracht wurde.
1952 Die Kapelle wird renoviert
1956 stifteten der Kirchenvorsteher Georg Isermann und seine Frau ein neues silbernes Abendmahlsgerät mit der Inschrift „Zur Ehre des Herrn“, im Dezember 56 erhielt die Kapelle "als Weihnachtsgeschenk an die Gemeinde" eine eine Fußheizung.
11.04.1961 Bei einer Glockengießerei in Stuttgart wurde eine neue Glocke gekauft. Diese Gedenkglocke für die Opfer beider Weltkriege trägt die Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Mit dem Einbau der neuen Glocke wurde auch die elektrische Läuteanlage eingebaut.
März 1965
Kauf der Orgel von einer Kirchengemeinde in Kassel
 
 
 
 
Dögerode – Ev.-luth. Kapelle St. Georgius
 
Das Dorf Dögerode liegt abseits der Hauptstraßen am Südrand des Kahlberges rund 200 m ü. NN und rund zwei Kilometer von Kalefeld entfernt. Die Einwohnerzahl hat sich nur in den ersten Jahren nach dem II. Weltkrieg entscheidend nach oben verändert. Heute liegt sie wie 1939 bei gut 200.
 
Kapelle Dögerode Südansicht
Südansicht Ev.-luth. Kapelle St. Georgius in Dögerode
 
Kappelle Dögerode Westansicht
Westansicht Ev.-luth. Kapelle St. Georgius in Dögerode
 
Die Kapelle steht in der Ortsmitte auf einem erhöhten Grundstück neben der Hauptstraße. Ihre aus hellen Dolomitsteinen aufgemauerten Wände sind weithin sichtbar. Trotz ihrer geringen Abmessungen von 12 m Länge und 8 m Breite ist dieses Bauwerk der unübersehbare Mittelpunkt des Dorfes. Die Kapellengemeinde wird vom Pfarramt Kalefeld versorgt.
Die Endung des Ortsnamens Dögerode (-rode) besagt, daß diese Ansiedlung wahrscheinlich zwischen 900 und 1000 begründet wurde. Seit 1416 ist die Ortschaft urkundlich bekannt. Zumindest seit dieser Zeit dürfte hier auch eine mittelalterliche Kapelle gestanden haben. In der nachreformatorischen Kapellenrechnung von 1590 wird sie als Kapelle St. Georg bezeichnet. Während des 30-jährigen Krieges verwüsteten marodierende Banden das Gebäude. Trümmer von ihr sollen noch 1729 zu sehen gewesen sein.
Nicht nur die wirtschaftlich und kulturell guten Jahre zwischen 1870 und 1900 verhalfen Dögerode zu einer neuen Kapelle, sondern auch die Reibereien mit dem Pfarramt Kalefeld über die Frage, wann und wie die Glocken für Dögerode läuten sollten. Weiterhin sollte der Neubau das Wachsen der baptistischen Gemeinde verhindern.
Maurermeister Nolte aus Echte lieferte 1885 den ersten Vorschlag. Er plante ein Gebäude mit den Außenmaßen von 8 auf 10 Metern. Wohl auf Einwände des Konsistoriums Hannover als Aufsichtsbehörde wurde dieser Vorschlag nicht ausgeführt. Erst einige Jahre später wurde Architekt Friedrich Lahmeyer um Erstellung eines neuen Entwurfes gebeten. Lahmeyer war ein Schüler des weithin renommierten Architekten und Hochschullehrers Conrad Wilhelm Hase aus Hannover und in Kalefeld als Bauleiter des dortigen Kirchenneubaues bekannt geworden. Hase hatte den Entwurf für die zweitürmige Kirche in Kalefeld geliefert und spielte auch noch bei weiteren Kirchen im Umkreis von Kalefeld eine bedeutsame Rolle.
Die Kapelle in Dögerode ist ein bescheidenes Bauwerk. Die exakt behauenen großformatigen Quader aus Dolomit stammen aus dem naheliegenden Steinbruch in der Dehne im Kahlberg. Auf der Westwand mit seinem leicht vorgezogenem Portal sind zwei Inschriften eingemeißelt. Die eine gibt das Datum der Fertigstellung des Westgiebels 1891 an, die andere erinnert an den Segensspruch für den Neubau aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 28,17: „Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus." Das Richtfest fand am 2.10.1890 statt, die festliche Einweihung erfolgte am 22.5.1892.
 
Altar 3 fertig
Blick zum Altar
 
Die Westseite bekrönt ein Dachreiter, in dem die beiden Glocken von 1891 und 1961 hängen. Die neue Glocke ersetzte die im Weltkrieg abgegebene. Sie trägt in Erinnerung an die Toten der beiden großen Kriege die Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen".
Der Innenraum mit Platz für 70 Besucher ist sehr Schlicht gehalten. Lediglich ein roter Begleitstrich umrahmt die Fensteröffnungen und den Bogen zur Apsis. Hier hat der Architekt mit den beiden in die Leibung eingefügten Säulen mit Basis und Kopfplatte einen Akzent gesetzt.
Der zierliche Taufständer ist durchaus sehenswert. Im Allgemeinen ist er mit einer gestickten Decke belegt. Wird diese jedoch fortgenommen, taucht nach Anheben eines Klappdeckels eine sechseckige Vertiefung auf, in die der Taufschalenfuß unverrückbar eingestellt werden kann.
Der hölzerne Altaraufsatz trägt das Kruzifix. Die horizontal aufgesetzte Rückwand ist sparsam mit einigen Ornamenten verziert. Nur die quadratischen Holzplatten tragen als bemerkenswertes Schmuckelement eingebrannte Ornamente, die leider von den Gottesdienstbesuchern kaum zu sehen sind.
 
Orgel fertig
Die Orgel
 
Die kleine Orgel der Firma Bosch wurde 1995 von einer Kasseler Kirchengemeinde übernommen. Die 100-Jahrfeier der Kapelle wurde 1992 festlich begangen.
 
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